Das Röstprojekt Huila
Zusammen mit der Kooperative testen wir kleine Parzellen-Lose: gewaschen, honigartig aufbereitet, einmal im Jahr eine Sondercharge. Jede Probe wird hier gecuppt, bevor sie ins Sortiment darf.
Unser Kaffeehaus in Bremen-Osterholz gehört keinem Konzern und keiner Kette. Es gehört Jonas, Mia und Deniz, dazu einer 12-Kilo-Trommel im Nebenraum. Hier erzählen wir, wer wir sind und wie aus einer Idee von 2019 ein fester Platz im Viertel wurde.
2019 war die Osterholzer Heerstraße 147 eine leere Fläche mit schiefem Boden und einem Fenster, das klemmte. Jonas wollte einen Laden, in dem Espresso ernst genommen wird, ohne dass jemand ernst dabei aussieht. Mia brachte die Konditorei mit, Deniz kam über ein Probewochenende und ist einfach geblieben.
Seitdem hat sich einiges getan. Wir rösten für Stammgäste, Büros und zwei andere Cafés in Bremen. Gleich geblieben ist das Wichtigste: wer hereinkommt, wird erstmal gefragt, wie der Tag läuft.
Jonas übernimmt die Fläche an der Osterholzer Heerstraße, Mia steigt mit der Konditorei ein. In der ersten Woche gehen 40 Tassen am Tag über die Theke, heute sind es deutlich mehr.
Weil die Abzugshaube noch auf sich warten ließ, rösten wir die erste Charge draußen im Hof. Die halbe Straße riecht es, drei Nachbarn werden an diesem Tag Stammgäste.
Ein gebrauchter Trommelröster zieht in den Nebenraum. Seitdem ist Donnerstag bei uns Feiertag mit Hitze: Probechargen morgens, Stammsorten nachmittags.
Über einen unserer Importeure kommen wir mit einer Kooperative aus Huila, Kolumbien in Kontakt. Im selben Jahr steigt die Küche komplett auf Milch vom Hofgut Söhnen um.
Mit Lotta ist eine Azubine dazugekommen, Kurse und Cuppings laufen jeden Monat. Die Theke ist noch dieselbe wie am ersten Tag, nur besser eingerieben.
Jeder Laden hat Regeln, unsere passen auf eine Tafel. Sie klingen banal, aber sie entscheiden jeden Tag, was wir einkaufen, anbieten und lieber sein lassen.
Auf jeder Tüte steht, wann die Bohnen durch die Trommel gegangen sind. Was älter als vier Wochen ist, wandert nicht ins Regal, sondern in den nächsten Cold-Brew-Ansatz.
Milch vom Hofgut Söhnen, Bohnen von zwei Importeuren, die wir beim Vornamen kennen, und einer Kooperative in Huila. Wer bei uns liefert, isst auch bei uns Kuchen.
Wer an der Theke einen Filter bestellt, wartet drei Minuten. Das ist bei uns keine Verzögerung, sondern Teil des Rezepts. Für Eilige gibt es Espresso, der geht schnell.
Wir stellen Kuchen für den Flohmarkt am Osterholzer Friedhof, der große Tisch hinten gehört freitags der Strickrunde und Reste vom Tag gehen abends zum Tafelladen.
Guter Kaffee entsteht nicht am POS-System, sondern an der Quelle. Deshalb fahren wir lieber einmal mehr zum Hof als einmal weniger, und deshalb probieren wir jede Charge selbst, bevor sie in den Mahlgradplan kommt. Klingt nach Arbeit. Ist es auch. Genau die, die wir uns ausgesucht haben.
Die Hälfte von uns hängt an der Maschine, der Rest an der Trommel oder in der Küche. So sieht das aus, wenn du an einem Dienstagmorgen reinkommst.
Trinkt Espresso ausschließlich pur und schreibt jede Charge in ein Notizbuch mit Kaffeeflecken. Seit 2019 sind es elf volle Bücher geworden.
Backt alles in der Vitrine selbst. Ihr Schoko-Bananen-Rezept wollte mal ein Gast abkaufen. Es steht nicht zum Verkauf und wird es auch nie.
Gießt eine Rosetta auch sauber, wenn zwölf Kursteilnehmer zugucken. In seinen Kursen gilt die Regel: erst probieren, dann fotografieren.
Läuft seit Mai die komplette Frühschicht allein und hat den Soundtrack des Ladens übernommen. Was um 8 Uhr auf dem Plattenspieler liegt, entscheidet sie.
Du willst dazugehören? Wir bilden aus und stellen gern Leute ein, die von Kaffee noch wenig Ahnung haben, aber richtig Lust. Schreib uns über die Kontaktseite oder frag einfach an der Theke.
Ein Kaffeehaus lebt vom Alltag, aber spannend wird es an den Rändern. Das läuft bei uns nebenher, manches seit Jahren.
Wir führen lieber Protokoll über Röstungen als über Umsatzrekorde. Trotzdem sammeln sich über sechs Jahre ein paar Zahlen an, die wir ganz gern anschauen.
Wir liefern jeden Morgen frische Milch, um sieben steht der Transporter vor der Tür. Was die hier draus schäumen, hätte ich für unmöglich gehalten, bis ich es probiert habe.
Ich bin hier eigentlich Inventar mit Mund. Deniz weiß, was ich trinke, bevor ich an der Theke stehe, und fragt trotzdem jedes Mal, ob ich wechseln will. Ich will nie wechseln.
Mia hat unsere Hochzeit im Laden organisiert: 38 Gäste, die Kaffee-Bar lief bis Mitternacht und die Torte vergisst niemand. Danach war der Laden schneller wieder sauber als versprochen.
Einiges klärt sich schneller an der Theke, aber für die Strecke dorthin gibt es diese Liste. Fehlt deine Frage, schreib uns über die Kontaktseite.
Schreib uns, ruf an oder steh morgen einfach an der Theke. Wir sitzen zwischen Bäckerei und Fahrradladen, direkt an der Haltestelle Osterholzer Friedhof, Bus 28 und 33.